Warum fühlt sich Teamarbeit so schwer an?
Shownotes
Wir setzen Menschen gemeinsam in ein Organigrammkastl, schreiben „Team“ darüber und erwarten, dass die Zusammenarbeit ab jetzt hervorragend funktioniert. Ganz so einfach ist es natürlich nicht. In dieser Folge geht es um die hohen Erwartungen, die wir an Teamarbeit stellen – und um die Frage, warum wir so schnell glauben, dass mit einem Team etwas nicht stimmt, sobald Zusammenarbeit anstrengend wird. Du erfährst: warum organisatorische Zugehörigkeit noch kein funktionierendes Team ergibt welche Rolle gemeinsame Ziele, klare Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege spielen weshalb Abstimmung Zeit und Energie kostet warum Harmonie kein verlässliches Qualitätsmerkmal für Zusammenarbeit ist was psychologische Sicherheit tatsächlich bedeutet wie sich produktive Reibung von dauerhaft problematischen Mustern unterscheiden lässt Der Gedanke, der bleibt: Vielleicht erkennt man ein gutes Team nicht daran, dass es möglichst wenig Schwierigkeiten hat. Sondern daran, wie es mit seinen Schwierigkeiten umgeht.
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00:00:00: Ich arbeite wirklich gerne mit Teams.
00:00:04: Das möchte ich jetzt gleich am Anfang ganz ausdrücklich festhalten, nämlich bevor nach dieser Folge vielleicht irgendjemand auf die Idee kommt... ...ich hätte mir vielleicht vor Jahren beruflich etwas anderes aussuchen sollen oder ich hätte vor Jahren eine ganze schlechte Entscheidung getroffen!
00:00:23: Aber ich muss auch sagen, ich finde Teams unfassbar faszinierend.
00:00:29: Wir nehmen irgendwie, keine Ahnung, fünf acht zehn.
00:00:35: Manchmal auch fünfzehn oder mehr.
00:00:37: völlig unterschiedliche Menschen und mit unterschiedlich meine ich.
00:00:42: sie kommen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten mit unterschiedlicher Erfahrungen Arbeitsweisen Bedürfnissen Vorstellungen von etwas wie das ist eh klar zum Beispiel Decken die alle in ein Kastel.
00:01:05: Was meine ich mit Kasteln?
00:01:07: Wir setzen sie in ein gemeinsames Organisationskastel oder Organikram-Kastel, so ist ja das richtige Wort im Unternehmen und schreiben dann drüber Team.
00:01:27: In dem Moment, wo über dieses Organik-Ramkastel Team geschrieben wird geht man automatisch davon aus dass diese fünf acht zehn fünfzehn wie viele auch immer Menschen auf einmal hervorragend zusammenarbeiten werden.
00:01:45: Weil sie sind ja jetzt ein Team und gleichzeitig ist man dann halt oft irritiert wenn das interessanterweise doch nicht funktioniert.
00:01:56: Dabei könnte man auch einfach mal die Frage umdrehen und sich die Frage stellen, warum gehen wir eigentlich immer davon aus dass Teamarbeit leicht sein muss.
00:02:13: Manche Dinge scheinen ziemlich eindeutig bis man ein bisschen genauer hinschaut.
00:02:19: ich bin Bedienerkosche und das ist ja aber denn die Dinge sind selten so einfach.
00:02:26: Warum glauben wir eigentlich, dass Teamarbeit immer leicht sein müsste?
00:02:32: Große Frage.
00:02:33: Ich persönlich glaube ein Teil des Problems beginnt ja schon damit welches Bild habe ich eigentlich von guter Teamarbeit?
00:02:42: wenn wir über Teams sprechen dann klingt das in meinen Augen oft ziemlich großartig und Angestellten Zeit, als ich selbst ein großes Team geleitet habe und auch sehr oft in Meetings mit anderen Bereichsleitern war.
00:03:03: Da kamen dann so Sätze wie gemeinsam sind wir stärker und gemeinsam erreichen wir mehr Und unterschiedliche Stärken ergänzen sich.
00:03:14: Wir unterstützen einander, wir ziehen alle an einem Strang.
00:03:18: und wenn es mal wieder besonders euphorisch war in dieser Sitzung dann kamen auch so Sätze wie Teamwork makes the dream work.
00:03:28: Hast du vielleicht sicher auch schonmal gehört diesen Satz?
00:03:32: Ja grundsätzlich stimmt das auch ja.
00:03:36: aber Was wir dabei nämlich ganz gern vergessen ist, dass am anderen Ende dieses Strangszien halt Menschen und Menschen sind.
00:03:47: Und ich meine das jetzt wirklich voller Respekt und voller Zuneigung für Menschen.
00:03:53: Menschen sind kompliziert!
00:03:56: Wir haben ganz unterschiedliche Vorstellungen davon wie schnell irgendwas erledigt sein muss oder wie genau etwas erledig sein soll, wie ordentlich gearbeitet werden soll und auch davon, wie viel Kommunikation eigentlich notwendig ist.
00:04:13: Oder aber auch wir werden den Entscheidungen getroffen?
00:04:17: Wie sollen sie getroffen werden?
00:04:20: Oder auch so Banalitäten?
00:04:23: Wie verbindlich ist eine Zusage oder was bedeutet dringend?
00:04:27: Also du siehst schon ganz, ganz viele unterschiedliche Themen kommender zusammen.
00:04:33: Und ich bin mir zu einhundertprozent sicher allein über die Definition von Dringend könnten manche Teams – ich sag mal einen mindestens zweitigen Workshop fahren, weil für die eine Person bedeutet dringende heute und für die nächste bedeutet dringend vielleicht okay bis Ende dieser Woche.
00:04:59: Und dann gibt es sicher auch noch die eine Person, die schreibt dir am Freitag um drei Viertel fünf ein Mehl mit roten Rufzeichen im Betreif und daneben steht dann auch noch Dringen in Großbuchstaben und du hast das Gefühl ok das ist jetzt wirklich dringende weil sonst geht die Welt vielleicht unter dieses E-Mail mit diesem Betreff geschickt hat, geht aber anschließend ganz entspannt ins Wochenende.
00:05:28: Also das sind natürlich so Kleinigkeiten!
00:05:31: Aber genau aus diesen Kleinigkeiten besteht halt einfach Zusammenarbeit.
00:05:34: und wenn wir uns das so anschauen... Wir kommen nicht als komplett neutrales Wesen in ein Team sondern wir bringen unsere Erfahrungen mit, wir bringen unseren Gewohnheiten auch mit.
00:05:49: Jeder von uns hat unterschiedliche Werte und unterschiedliche Erwartungen.
00:05:53: Und auch die Arbeitsweisen unterscheiden sich oft ganz extrem, genauso wie unsere Kommunikationsmuster.
00:06:05: Natürlich ist es auch so dass wir unsere Stärken mitbringen.
00:06:10: Wir bringen meistens nicht nur unsere Stärke mit sondern auch ein paar unserer Eigenheiten von denen wir selbst vielleicht sehr überzeugt sind, dass sie eigentlich gar keine Eigenheiten sind.
00:06:26: Könnte nur passieren, dass die anderen das schon als Eigenheit sehen und ja... Das kann natürlich immer wieder auch zu Problemen unter Anführungsstrichen führen!
00:06:42: Und jetzt haben wir da ganz viele verschiedene Menschen mit ganz vielen verschiedenen Themen.
00:06:48: Auf einmal sitzen diese Menschen eben in diesem gemeinsamen Organigrammkastel als Team und dann auf einmal sollen all diesen Menschen entweder gemeinsam eine Entscheidung treffen, wenn sie nicht mehr anderer für sich trifft.
00:07:04: Sie sollen Informationen teilen, sie sollen natürlich Verantwortung übernehmen, sie müssen auch den einen oder anderen Konflikt austragen... Und natürlich müssen Sie auch Prioritäten setzen, weil sie sollen ja im Idealfall möglichst effizient auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.
00:07:23: Wenn man sich das Ganze jetzt mal so ein bisschen vor Augen führt könnte man eigentlich sagen dass Teamarbeit nur manchmal schwierig ist gar nicht besonders erstaunlich ganz im Gegenteil.
00:07:38: erstaundlich wäre es aus meiner Sicht eher wenn sie immer komplett reibungslos funktionieren würde.
00:07:47: Eine Gruppe Menschen ist für mich noch kein Team, denn aus meiner Sicht und das lebe ich auch immer wieder in Workshops verwenden wir das Wort Team sehr großzügig.
00:08:05: Wir setzen ein paar Menschen so wie ich es vorhin schon gesagt habe in einem Organikramkastel geben ein paar Menschen eine Führungskraft und nennen die Menschen Team.
00:08:21: Wir setzen sie in einem Büro hinein, und nenn ihnen das Team.
00:08:27: oder wenn es manchmal ganz heiß hergeht ist es so dass einfach Menschen in den selben Microsoft Teams Kanal eingeladen werden ja und sagt ihr schon die Software Sie sind ein Team steht ja im Namen drinnen.
00:08:45: Nur meiner Erfahrung nach ist es nicht so, dass eine organisatorische Zugehörigkeit – das heißt jetzt wegen der gleichen Abteilung und dem gleichen Büro was auch immer automatisch Menschen in ein funktionierendes Team verwandelt.
00:09:04: Ein Team besteht eben nicht dadurch, dass wir einen Rahmen um sie ziehen.
00:09:11: damit Menschen sich tatsächlich als Team fühlen und als Team zusammen arbeiten können, brauchen sie aus meiner Erfahrung zunächst einmal etwas ziemlich banales.
00:09:25: Nämlich Sie brauchen eine Vorstellung davon – und da reicht wirklich eine Vorstellung davon – wofür sind Sie denn eigentlich gemeinsam da?
00:09:38: Und das klingt jetzt vielleicht nach einem ja ich voll klar Moment aber In der Praxis erlebe ich es tatsächlich so, dass es selbstverständlicher klingt als es eben in der Praxis dann oft ist.
00:09:53: Wenn ich mit Teams zusammen arbeite, ist eine der spannendsten Fragen oft gar nicht was läuft denn bei euch schlecht?
00:10:04: Weil auf die Frage kriege ich sofort immer etliche Antworten!
00:10:09: Sondern die Frage, die ich gerne stelle, Was ist denn eigentlich eure gemeinsame Aufgabe?
00:10:20: Und manchmal wäre ich noch konkreter und frag, woran würdet ihr den erkennen das ihr als Team grad richtig gute Arbeit geleistet habt.
00:10:31: Das ist etwas wo ich für mich die Erfahrung machen durfte dass es mit diesen beiden Fragen manchmal wirklich interessant wird weil auf einmal ganz unterschiedliche Antworten.
00:10:47: Wenn da fünf Menschen sitzen, denen ich diese Frage gemeinsam stell dann kann ich dir verraten gibt es fünf unterschiedlichen Antworten und jede dieser Antworten ist für sich genommen absolut nachvollziehbar.
00:11:03: nur wenn man diese Antworten zusammenfasst und so dieses gemeinsame Ziel suchen würde ist es nicht immer so, dass ein gemeinsames Ziel erkennbar ist.
00:11:16: Und da sieht man schon das ohne einen halbwegs gemeinsames Verständnis davon wo ein Team hin will wird Zusammenarbeit wahrscheinlich ziemlich mühsam werden und selbst Ein gemeinsames ziel reicht noch nicht aus.
00:11:34: Was meine ich jetzt wieder damit?
00:11:36: Ich mein du stellst ja vielleicht die frage was braucht denn ein team noch alles damit sein team ist.
00:11:41: meiner erfahrung nach muss auch wirklich klar sein, wer macht was.
00:11:49: Wer entscheidet was?
00:11:51: Wer braucht welche Infos?
00:11:54: und einer der wichtigsten Fragen auch für jeden Einzelnen wo beginnt meine Verantwortung und wo endet meine Verantwortung?
00:12:06: Das nennt man Rollen-und Verantwortlichkeitsklarheit.
00:12:11: Ich weiß das klingt jetzt nicht besonders sexy Und ist vielleicht für manche so etwas eh auch wieder logisches.
00:12:22: Aber ich finde, dass genau diese Rollen und Verantwortlichkeitsklarheit für eine gute Zusammenarbeit ungefähr genauso wichtig ist wie wenn du heute Heuselbauer bist und ein Fundament passt für dein Haus!
00:12:41: Ich weiß, auch das Fundament von deinem Haus ist jetzt nicht besonders attraktiv und du würdest wahrscheinlich niemanden einladen aus deinem bekannten Kreis, Freundeskreis etc.
00:12:52: nur um ihnen stolz deine sensationelle Bodenplatte zu präsentieren.
00:12:58: allerdings wenn diese sensationelle Bodenplatte fehlt dann wirst Du wahrscheinlich irgendwann einmal ein Problem bekommen.
00:13:06: Und im übertragenen Sinn, wie sieht das dann zum Beispiel in einem Team aus?
00:13:10: Da kann es z.B.
00:13:12: so passieren zwei machen dieselbe Aufgabe weil einfach beide davon ausgegangen sind dass sie zuständig sind und dafür wird irgendeine andere Aufgabe gar nicht gemacht weil da wiederum jeder davon ausgeht dass eh irgendwer anderer dafür zuständig ist.
00:13:30: Informationen werden nicht weitergegeben, weil einfach niemand weiß wer braucht die denn eigentlich.
00:13:36: Oder auch sein Klassiker den ich immer wieder erlebe ist alle dürfen ihre Meinung sagen aber trotzdem weiß niemand.
00:13:44: wer trifft dann am Ende dann die Entscheidung?
00:13:47: und irgendwann heißt es dann unsere Kommunikation funktioniert nicht?
00:13:52: Ja kann sein ja aber vielleicht ist Kommunikations gerade gar nicht das eigentliche Problem.
00:14:02: Vielleicht ist einfach schlicht nicht geklärt, wie dieses Team zusammenarbeiten soll und genau das ist für mich einer dieser wichtigsten Unterschiede.
00:14:13: ein Team braucht eben nicht nur Menschen die miteinander reden sondern es braucht Strukturen und es braucht strukturen die Zusammenarbeit möglich machen Es braucht gemeinsame Ziele, es braucht klare Rollen und Verantwortlichkeiten.
00:14:30: Und es braucht verlässliche Absprachen und Informationen müssen einfach dort ankommen wo sie gebracht werden.
00:14:38: Genauso muss auch ein Verständnis davon bestehen wie Entscheidungen getroffen werden.
00:14:45: Da sind wir beim Fundament unseres Teams bei der Bodenplatte unseres teams weil zu all diesen Dingen kommt dann auch noch Vertrauen und die Möglichkeit, Dinge auch anzusprechen, die unangenehm sind.
00:15:03: Das funktioniert in den Teams immer gut ist meine Beobachtung, die sich wirklich zu Beginn die Zeit genommen haben all das was ich zuvor erwähnt habe mal ordentlich auf die Beine zu stellen.
00:15:16: Dann gibt es Vertrauen in dem Team Und dann gibt's auch ganz oft eben diese Möglichkeit Dinge offen anzusprechen.
00:15:26: Vielleicht denkst du dir jetzt, naja unser Team ist total harmonisch und es funktioniert eigentlich eh gut.
00:15:37: Meine Beobachtung ist da wirklich ganz oft so dass ein Team in dem alle total hervorragend miteinander auskommen meistens auf den zweiten Blick gar nicht so harmonisch sind wie sie eigentlich wirken.
00:15:56: Weil es sind nur so lange harmonisch, solange eben niemand widerspricht.
00:16:01: Aber dazu kommen wir ein bisschen später noch.
00:16:05: Für den Moment finde ich reicht mal dieser Gedanke Nur weil irgendwo Team drauf steht muss noch lang kein Team drinnen sein Und das ist jetzt wirklich gar keinen Vorwurf an die Menschen.
00:16:21: Also bitte nicht falsch verstehen sondern worum es mir geht ist, es bedeutet einfach dass Zusammenarbeit mal gestaltet werden muss.
00:16:33: Zusammenarbeit ist nichts was automatisch passiert und was meine ich damit?
00:16:40: Ich mein zusammenarbeit kostet einfach etwas.
00:16:44: und damit sind wir bei einem Punkt den ich bei der Teamarbeit wirklich spannend finde eben diesen Punkt Das zusammenarbeitet, was kostet.
00:16:54: Was meine ich jetzt eigentlich genau damit?
00:16:57: Ich finde es kostet Zeit Es kostet Energie Es kostelt ganz viel Aufmerksamkeit Und nicht selten kostet auch Nerven und Gelegenlich vermutlich auch einfach die Fähigkeit Dass man bei einem Zoom-Meeting weiterhin freundlich dreinschaut obwohl man den selben Punkt gerade zum vierten Mal bespricht und man vielleicht schon super genervt ist weil nichts weiter geht.
00:17:28: Und was ich vielleicht auch denkt, wenn ich das jetzt allein machen würde wäre ich tatsächlich schneller.
00:17:34: Wenn ich eine Entscheidung alleine treffe, ist es klar dass ich schneller bin, weil ich muss mich halt mit niemandem abstimmen.
00:17:40: Ich muss niemanden erklären warum ich etwas so machen möchte wie ich es machen möchte Und nicht nur, dass ich mich mit niemanden absprechen muss.
00:17:48: Ich muss auch die Perspektive von jemand anderen berücksichtigen.
00:17:53: Also ich muss in Wahrheit keinen Konsens herstellen und noch gar keine Lösung aushandeln.
00:17:59: Wenn du das jetzt so hörst, dann klingt es vielleicht im ersten Schritt mal oder im ersten Augenblick mal ganz herrlich effizient.
00:18:07: Was ich tun möchte.
00:18:10: Meistens allerdings nur bis zu dem Moment an dem meine oder halt deine Entscheidung Auswirkungen auf fünf andere Menschen hat.
00:18:22: Von denen aber vorher irgendwie gar keiner wusste, dass du diese Entscheidung überhaupt getroffen hast.
00:18:29: und da sind wir dann an dem Punkt Dann holen wird dieser eingesparte Zeit die wir halt nicht verwendet haben für einen ordentlichen Teamaufbau.
00:18:40: Da holen wir diese eingespartte Zeit dann meistens wieder rein mit Zinsen.
00:18:46: Was meine ich jetzt wieder damit?
00:18:48: Zusammenarbeit bedeutet für mich Abstimmung und Abstimmung ist Arbeit.
00:18:56: Das klingt jetzt vielleicht banal, aber ich glaube wir unterschätzen das einfach regelmäßig.
00:19:01: Denn was wir von guten Teams auf der Warte ist dass Zusammenarbeit irgendwann einmal ganz selbstverständlich wird und ganz leicht funktioniert.
00:19:11: Und wenn sich ein Team gut kennt und wenn die Prozesse passen Und wenn alle professionell sind, dann müsste es doch eigentlich laufen.
00:19:21: Ist so diese Idealforstellung die wir haben?
00:19:25: Ja aber eben nicht von alleine!
00:19:30: Weil auch in einem richtig guten Team müssen trotz allem immer unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht werden und Menschen müssen ihre Informationen, die sie haben teilen.
00:19:41: Es müssen Prioritäten ausgehandelt werden.
00:19:44: Jemand ist sicher auch dabei, der sagen muss aus welchen Grund auch immer.
00:19:50: Ich sehe das anders und jemand anderer muss es dann aushalten dass dieser Satz nicht automatisch bedeutet ich halte jetzt deine Idee für total bescheuert weil manchmal ist es halt einfach so dass sich eine Entscheidung mittragen muss dich wäre ich nicht Teil eines Teams alleine vielleicht ganz anderes getroffen hätte.
00:20:14: Und manchmal passiert es dir vielleicht, dass du dich erklären musst.
00:20:18: Manchmal musst du vielleicht auch irgendetwas nachfragen und manchmal passiert's vielleicht auch das ich mich von einer eigenen großartigen Idee verabschieden muss einfach weil eine andere tatsächlich noch viel viel besser ist!
00:20:33: Ich weiß... Das ist jetzt alles schmerzlich aber es ist möglich, dass genau diese Dinge passieren.
00:20:42: Genau deshalb wird ich ganz gerne einen Gedanken ein bisschen gerade rücken.
00:20:51: Gute Teamarbeit bedeutet nicht, dass Zusammenarbeit keine Energie kostet – Ich habe es ja vorhin schon gesagt!
00:20:59: Es kostet etwas.
00:21:02: Aber vielleicht können wir das Ganze in einem anderen Rahmen setzen?
00:21:07: Für mich ist es nämlich so, dass gute Teamarbeit und dass sich's noch rausbringt einfach bedeutet, dass ich diese Energie der Zusammenarbeit sinnvoll investiere.
00:21:22: und das ist ein wirklich ganz gravierender Unterschied.
00:21:26: Weil wenn wir eine Stunde lang heute diskutieren und danach eine Entscheidung getroffen haben die unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt und von allen Verstanden wird dann kann dieser Stunde echt gut investiertes Geld gewesen sein also Ich gelte, sondern Zeit natürlich.
00:21:46: Wenn wir allerdings eine Stunde diskutieren und danach weiß irgendwie noch immer niemand was jetzt eigentlich entschieden worden ist oder wer jetzt etwas macht und warum Thomas – nennen wir ihn jetzt mal Thomas – eigentlich seit einer Viertelstunde beleidigt ist.
00:22:05: dann haben wir wahrscheinlich ein anderes Thema.
00:22:10: Anstrengung allein sagt Also eigentlich noch relativ wenig darüber aus, ob ein Team jetzt funktioniert oder nicht.
00:22:17: Entscheidend ist für mich immer was entsteht aus dieser Anstrengung.
00:22:24: Entsteht Klarheit?
00:22:27: Fragezeichen?
00:22:28: Entstehende bessere Entscheidung?
00:22:32: Verstehen sich danach alle irgendwie besser?
00:22:37: Oder können dadurch unterschiedliche Kompetenzen mal wirklich genutzt werden.
00:22:44: Wir haben Probleme sichtbar, die einem vielleicht wenn sie nicht sichtbaren würden in drei Monaten einholen würden.
00:22:55: Gibt es auch sowas wie positive Reibung?
00:23:03: Das ist etwas was mir wirklich wichtig ist.
00:23:08: ja ich erlebe oft von Führungskräften dass sie Reibungen in ihrem Team sehr schnell negativ bewerten, weil sie einfach noch sehen okay im Team wird diskutiert.
00:23:23: Da sind vielleicht zwei Menschen die sind unterschiedlicher Meinung.
00:23:27: eine Entscheidung dauert länger einer Aufgabe dauert lange irgendjemand stellt eine kritische Frage und ziemlich schnell ist dann auf Beführungskräften dieser Punkt erreicht.
00:23:38: so irgendwas stimmt da nicht.
00:23:42: da muss ich eingreifen, dieses Team funktioniert nicht.
00:23:47: Ich sehe es meist ein bisschen anders.
00:23:50: das ist der große Vorteil wenn man von außen kommt und der Blick oft nicht so getrübt ist.
00:23:57: Ich seh nämlich tatsächlich ganz oft dass es nicht so ist, dass etwas nicht stimmt sondern viel mehr stimmt für mich gerade sehr viel in diesem Team denn Was bedeutet das, wenn Menschen wirklich unterschiedliche Erfahrungen, Kompetenzen und Sichtweisen ins Team einbringen?
00:24:21: Ich finde es persönlich ziemlich merkwürdig, wenn sie denn dann immer sofort einer Meinung wären.
00:24:29: Unterschiedlichkeit hat ja nicht nur den Vorteil, wenn man sich irgendwie auf der PowerPointfolie als unsere Vielfalt präsentieren kann sondern Unterschiedlichkeit zeigt sich für mich ja auch darin, dass Menschen Dinge anders beurteilen.
00:24:47: Andere Risiken sehen andere Prioritäten setzen, andere Lösungen vielleicht auch bevorzugen.
00:24:54: und genau da beginnt ja dann der eigentliche Teil der Teamarbeit nicht dort wo ohnehin alle einer Meinung sind sondern dort wo es geschafft werden muss mit dieser unterschiedlichkeit produktiv umzugehen.
00:25:08: Und das kann natürlich ein großer, großer Vorteil sein dieser Unterschiedlichkeit, die die Menschen mitbringen.
00:25:14: Jetzt stellt man sich aber dann natürlich die Frage okay?
00:25:16: Aber waren wir jetzt denn jetzt eigentlich wirklich schwierig im Team?
00:25:22: Jetzt könnte man natürlich sagen, gut liebe Bediener!
00:25:25: Teamarbeit ist anstrengend Konflikte sind normal Reibung ist super Das erzählst du mir da jetzt die ganze Zeit Dann lass ich halt zukünftig einfach alle streiten und wenn sie fertig sind nenne ich es ganze Teamentwicklung.
00:25:39: Nein, also einfach ist das natürlich nicht.
00:25:42: Und so einfach kommen wir da auch nicht raus denn es gibt für mich schon einen ganz kleinen Unterschied zwischen einer produktiven Reibung und irgendwelche Musstern die Zusammenarbeit dauerhaft erschweren und dieser Unterschied ist oft nicht zu verzichtbar.
00:25:59: ein Team kann zum Beispiel sehr ruhig wirken kann gar keine offenen Konflikte haben Es gibt keine lauten Diskussionen Alles sind freundlich, im Meetings wird immer sehr viel genickt.
00:26:12: Es klingt immer alles wunderbar!
00:26:15: Ja... Aber was ich dann auch oft bemerke und was ich auch in meinem Team damals immer wieder das Thema hatte, schwierig wird oder kompliziert wird wenn die eigentlichen Diskussionen, die im Team stattfinden sollten nicht im Team-Stadt finden sondern anschließend an irgendein Meeting vielleicht zu zweit am Gang oder in einem privaten Chat, oder beim Mittagessen.
00:26:43: Oder am Abend bei einem Feierabend, Bierchen!
00:26:46: Dann ist es nämlich tatsächlich so dass wir gar nicht ein konfliktfreies Team haben.
00:26:51: Wir haben vielleicht möglicherweise nur ein Team das gelernt hat Konflikte nicht dort auszutragen wo sie eigentlich bearbeitet werden können.
00:27:01: Warum das so ist?
00:27:02: Das würde jetzt den Rahmen dieser Folge sprengen Aber... Das ist für mich so dieses große Learning gewesen und das ist auch das, was ich in Teams immer wieder beobachte.
00:27:13: Dass Harmonie für mich mittlerweile kein besonders zuverlässiges Qualitätsmerkmal mehr für eine gute Zusammenarbeit ist sondern vielmehr bedeutet Harmonie dass vielleicht manchmal Dinge nicht offen angesprochen werden.
00:27:37: Was ist jetzt ein funktionierendes Team?
00:27:39: Aus meiner Sicht, ist ein gut funktionierendes Team ein Team das auch widersprechen darf.
00:27:46: Es darf in dem Team unterschiedliche Meinungen geben es darf auch mal unangenehm werden am Ende des Tages ist aber immer entscheidend wie wird denn damit umgegangen?
00:27:58: kann jemand sagen, dass etwas anderes sieht ohne dass er anschließend sozial gleich sofort abgestraft wird?
00:28:06: oder kann man einen Fehler ansprechen.
00:28:09: Kann man sagen ich weiß irgendwas nicht?
00:28:11: Oder kann ich nachfragen ohne das ich Angst haben muss, dass irgendjemand meine Kompetenz der durchgleichen Frage stellt und gar nicht ein Problem auch früh ansprechen?
00:28:23: oder hat sich es irgendwie eingebürgt so lange wartet, dass es total groß geworden ist und dann irgendwie extern Hilfe geholt wird um das Ganze zu bereinigen.
00:28:36: Das Letzere wäre natürlich für mein Geschäftsmodell gerade gar nicht so schlecht wenn Konflikte immer extra gelöst werden müssten.
00:28:44: allerdings finde ich fürs Team ist es trotzdem natürlich besser wenn's so früh wie möglich gelöst wird.
00:28:51: und bei dem Thema sind wir da noch ganz schnell bei einem Begriff, der in meiner Bubble, möchte ich jetzt mal sagen.
00:29:02: In den letzten Jahren wirklich wahnsinnig präsent geworden ist.
00:29:05: vielleicht ist der Begriff auch schonmal untergekommen und zwar geht es hier um die psychologische Sicherheit.
00:29:10: und damit is nicht gemeint dass sich in einem Team immer alle wohlfühlen müssen oder das niemand mehr kritisiert werden darf.
00:29:19: ja ist natürlich nett, wenn es so ist.
00:29:22: Dass man sich wohlfühlt und es ist auch nett, weil man nicht kritisiert wird.
00:29:27: aber das ist jetzt nichts wo ich sage dass muss unbedingt sein.
00:29:31: also genau passiert halt manchmal einfach anders.
00:29:36: psychologische Sicherheit bedeutet vereinfacht gesagt einfach dass Menschen sich trauen können zwischen menschliche Risiken einzugehen.
00:29:47: was meine ich jetzt damit, oder was sind zu Risiken.
00:29:53: Stell dir vor du bist eine andere Meinung und du äußerst diese Meinung.
00:29:57: das kann ein Risiko sein aber wenn du psychologische Sicherheit in deinem Team hast dann traust du dich deine andere Meinung zu äußern.
00:30:09: Eine Frage zu stellen, daraus dich einen Fehler zuzugeben und so weiter.
00:30:12: all das was ich vorher schon gesagt habe um Hilfe bitten etwas unangenehmes Ansprechen usw.
00:30:17: Und dass alles draus zu dich ohne permanent befürchten zu müssen, dass du dafür entweder beschämt wirst oder ausgegrenzt wirst.
00:30:28: und genau diese psychologische Sicherheit ist für Zusammenarbeit enorm relevant.
00:30:33: Denn was passiert wenn Menschen beginnen wichtige Informationen zurückzuhalten weil sie Angst haben irgendwie eine unangenehme Reaktion aushalten zu müssen?
00:30:47: finde ich extrem schwierig.
00:30:49: Und dasselbe gilt halt auch für Verantwortlichkeiten, wenn zum Beispiel immer passiert das die gleichen zwei Menschen alles auffangen müssen während andere halt einfach gelernt haben oh da gibt's eh irgendjemand der wird sich schon darum kümmern.
00:31:03: dann hast du ein Muster in deinem Team.
00:31:06: oder wenn Konflikte immer wieder um dasselber Thema greisen und es wird irgendwie nie geklärt was dahinter liegt.
00:31:15: haben wir ein Muster, dann hat dieser Konflikt irgendeine Funktion in deinem Team was auch immer die Funktion sein möchte.
00:31:24: Aber da muss man einfach hinschauen oder vielleicht kennst du auch so Situationen das es Mitarbeiter gibt oder Teammitglieder gibt die Informationen als Machtmittel verwenden also die einfach wichtige Informationen nur sehr dosiert weitergeben oder Mitarbeiter, die grundsätzlich mal einen Fehler irgendeiner Person zuschreiben bevor man über die Ursache sprechen kann.
00:31:59: Warum der Fehler passiert ist?
00:32:00: Es ist ja gar nicht wichtig wer den Fehler gemacht hat sondern warum ist ein Fehler passiert und wie gehen wir mit dem Fehler in Zukunft um?
00:32:08: Und wenn all diese Dinge über dich jetzt gerade geredet haben passieren Dann reden wir halt nicht mehr über die normale Anstrengung von Zusammenarbeit, sondern dann reden wir ganz klar über Bedingungen, die die Zusammenarbeit massiv erschweren.
00:32:26: Und genau diese Unterscheidung finde ich ebenso wichtig!
00:32:32: Vielleicht hilft auch dieser Satz Nicht alles was sich in einem Team schwierig anfühlt ist automatisch ein Problem.
00:32:46: Aber wenn Schwierigkeiten immer wieder nach demselben Muster auftauchen und nicht angesprochen und nicht bearbeitet werden können, dann muss man genauer hinschauen!
00:32:56: Und vielleicht ist das auch der Gedanke den ich dir aus dieser ersten richtigen Folge von Ja aber gerne mitgeben möchte.
00:33:08: Wir haben wahnsinnig hohe Erwartungen an Teamarbeit.
00:33:12: Wir sollen effizient sein, uns gut verstehen und unterschiedliche Stärken nutzen.
00:33:17: Gemeinsam entscheiden Verantwortung übernehmen Konflikte konstruktiv lösen Und gegenseitig unterstützen und und und möglichst soll sich dieses Ganze dann auch noch gut anfühlen.
00:33:33: Ich finde dass es ganz schön viel verlangt ist von einer Gruppe an Menschen.
00:33:39: Vielleicht magst du über das mal nachdenken Und vielleicht müssen wir also gar nicht erst versuchen Teamarbeit zu gestalten, dass es sich immer leicht anfühlt.
00:33:51: Wir haben heute ganz oft das Bedürfnis, dass sich alles leicht anfüllen muss.
00:33:56: Vielleicht ist das bei Teamarbeit einfach nicht so möglich und vielleicht müssten wir einfach eine ganz andere entscheidende Frage stellen – nämlich was passiert in einem Team wenn's schwierig wird?
00:34:13: Können wir dann noch miteinander reden, können wir noch unterschiedliche Sichtweisen stehen lassen?
00:34:20: Können die Probleme ansprechen bevor sie riesig werden oder können wir danach nicht mehr gemeinsam weiterarbeiten.
00:34:34: Vielleicht erkennt man ein gutes Team also nicht daran dass es möglichst wenig Schwierigkeiten hat sondern einfach daran wie es mit seinen Schwierigkeiten, die da herkommen umgeht.
00:34:49: Und diesen Gedanken möchte ich jetzt einfach mal für diese Woche so stehen lassen!
00:34:55: Ja aber nicht vergessen wir hören uns nächste Woche wieder.
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